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Öffnung an Sonntagen: Warenhäuser starten Initiative

  • 01.06.2017
  • Handel
  • U.J.S. Redaktion

Vorstoß für mehr Sonntagseinkäufe im stationären Handel: Weil am Sonntag die meisten Online-Käufe getätigt werden, haben sich die beiden Warenhausbetreiber Karstadt und Galeria Kaufhof zusammengetan und die Initiative "Selbstbestimmter Sonntag" gegründet.

Karstadt-Chef Stephan Fanderl will Online-Betreibern vor allem sonntags die Stirn bieten.

Deutschlands große Warenhauskonzerne haben ein Bündnis zur Freigabe der Öffnungszeiten an Sonntagen geschmiedet. »Wir fordern, die Voraussetzungen für eine Freigabe der Öffnung an Sonntagen zu schaffen«, sagte Karstadt-Chef Stephan Fanderl in Köln.

Einkaufen als »fundamentaler« Teil der Beschäftigung an Sonntagen

Auch Kaufhof und die Luxus-Kaufhäuser der KaDeWe-Group stünden hinter der Initiative, weitere Unternehmen wollten sich anschließen. Die Menschen müssten selbst entscheiden können, wann sie arbeiten oder einkaufen wollten, betonte Fanderl. Einkaufen sei aktuell ein »fundamentaler Teil der Beschäftigung an Sonntagen«. Dies zeigten die Umsätze von Online-Shops, die rund um die Uhr geöffnet haben. Der traditionelle Einzelhandel werde gegenüber Online-Händlern und Outlet-Zentren in grenznahen Gebieten etwa in den Niederlanden oder Polen benachteiligt, beklagte KaDeWe-Chef Andre Maeder: »Wir wollen Waffengleichheit.« Online-Händler erwirtschafteten zwischen 20 bis 30 Prozent ihrer Umsätze an Sonntagen, die Warenhäuser müssten zuschauen. Die Verbote für Öffnungen an Sonntagen seien »eine Bevormundung der Kunden«. Kaufhof-Manager Armin Devender sagte, durch die Öffnungen an Sonntagen steige auch die Attraktivität der Innenstädte.

Nicht grundsätzlich an 52 Sonntag öffnen

Die Warenhäuser wollten nicht an 52 Sonntagen im Jahr öffnen, unterstrich Fanderl. »Wir möchten aber an den Sonntagen öffnen, an denen es kaufende Kundschaft gibt - und Mitarbeiter, die arbeiten wollen.« Zuschläge der Beschäftigten für Sonntagsarbeit wollten die Konzerne nicht antasten.Während in vielen Bundesländern höchstens vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr erlaubt sind, dürfen Geschäfte in Berlin an bis zu zehn Sonntagen öffnen. Eine bundesweite Regelung wie in der Hauptstadt sei »durchaus verfassungsgemäß«, hatte der Chef des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, jüngst betont. Nötig sei im Zweifel eine grundsätzliche rechtliche Klärung, gegebenenfalls bis hin zum Bundesverfassungsgericht. Kritik kam von der Linken: »Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer brauchen Ruhephasen an den Wochenenden, und das ist mit einer Ladenöffnung an den Sonntagen nicht mehr garantiert«, sagte Parteichef Bernd Riexinger. »Alle Beteiligten sind mündig genug, um auf freiwilliger Basis selbst zu entscheiden«, sagte hingegen Fanderl. Auch Gewerkschaften und Kirchen haben sich wiederholt gegen die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ausgesprochen. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hatte in den vergangenen Jahren zahlreiche Verfahren gegen kommunale Genehmigungen für verkaufsoffene Sonntage geführt, nach eigenen Angaben zumeist mit Erfolg. Ver.di verweist ebenfalls auf die geltenden Regeln und den Schutz der Beschäftigten. 

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