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Digitalisierung für den stationären Handel geht auch mit Google.

Stationärer Handel: Digitalisierung mit Google

Ganz still und leise, ging vor 4 Wochen in Langenfeld ein Projekt an den Start, dass unspektakulär klingt, aber Riesenchancen für den selbstständigen, inhabergeführten Handel mit sich bringen kann

Die Digitalisierung stellt gerade die kleineren Händler vor große Herausforderungen. Das Wachstum des Internethandels scheint ungebrochen, Prognosen des IFH sagen den Tod von 45.000 Einzelhandelsläden und 43 Millarden. Euro Unsatzverschiebung im stationären Handel voraus. Die Aussichten scheinen sehr düster für den stationären Einzelhändler. Als ob der noch nicht genügend Arbeit und Sorgen hätte: die Kosten steigen ständig, gutes Personal findet man auch nicht, der Verwaltungsaufwand wird auch nicht weniger sondern mehr.

Der Kunde macht es auch nicht einfacher. Er ist immer online, stets mit dem Smartphone mit dem Internet verbunden, weiß einfach welche Produkte für ihn zu welchem Preis in Frage kommen. Aber – erstaunlicherweise – recherchiert der Kunde am liebsten online alles über den beabsichtigten Kauf und kauft dann doch offline. Aber stop – immer? Nein natürlich nicht, denn dazu muss er das Produkt in der Nähe finden und dazu braucht es irgendwie Online-Anzeige der lokalen Produktverfügbarkeit. Dass geht natürlich mit einem verknüpften Warenwirtschaftssystem, Online-Shop und -Marktplätzen, ist aber sehr komplex und aufwändig und nicht für jeden Händler etwas.

Wie bringt man einen Einzelhändler ohne Onlineshop mit seinen Produkten ins Netz?

Genau dieses möchte der Service Google Local Inventory Ads (LIA) zur Verfügung stellen und stationären Händlern ermöglichen, ihr lokales, stationäres Sortiment über die Google-Suche ins Internet zu bringen und natürlich auch zu bewerben. LIA sind Google Anzeigen, die dem Endkunden angezeigt werden, sobald er auf Google nach einem bestimmten Produkt sucht, das von einem stationären Händler in seiner näheren Umgebung angeboten wird.

Große Online-Shops oder Handelskonzerne nutzen diese Chancen vielfach schon, indem sie wie eigentlich auch gedacht, Ihre ITSysteme, Warenwirtschaftssystem über Schnittstellen mit den Google Servern verbinden so dass Google stets Informationen über Bestände und Preise aktuell kommunizieren kann.

Wie soll das aber nun ein selbstständiger Händler schaffen, der weder ein Warenwirtschaftssystem mit den entsprechenden Schnittstellen noch das Wissen darüber? Genau mit der Aufgabe, dies zu erreichen, trat der Masterstudent Nils Brasche von der TH Köln in der akademischen Partnerschaft mit der Future City Langenfeld Initiative an.

Der Händler der Wahl war schnell gefunden. Das Kreativhaus Pollok in Langenfeld verfügt über eine große Auswahl an unterschiedlicher Wolle, Strick- und Häkelzubehör sowie Perlen und Bastelartikel. Ein Sortiment, das sich durchaus wieder zunehmender Beliebtheit erfreut. Doch neben den herkömmlichen Werbemaßnahmen und Live-Events wollte der engagierte Eigentümer auch die Chancen der Digitalisierung ausloten. Durch die Unterstützung der FUTURE CITY Langenfeld fand man eine passende Lösung: Die Integration in den Service Google Local Inventory.

Dazu hat das Team eine Auswahl des verfügbaren Wollsortiments mit eigenen Mitteln digitalisiert und ansprechendes Bildmaterial erstellt. Im zweiten Schritt wurde der Warenbestand mit dem neuartigen Service von Google, der Local Inventory, verbunden. Nachdem die Richtigkeit der Daten überprüft wurde, ist das Warenangebot des Langenfelder Einzelhändler im Juni live geschaltet worden.

Anschließende Optimierung des Anzeigenbietverhaltens, die der Inhaber des Handelsunternehmen gemeinsam mit dem Student vornahm, führte dazu, dass der kleine Händler heute im Großraum Köln Düsseldorf bei Google Shopping an erster Stelle steht – ein Riesenerfolg.

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